Berichte
Christgeburtsspiel auf Humanopolis„Ein paar Gedanken zum Christgeburtsspiel auf Humanopolis am 18.Dezember 2022, 16:00Uhr
Kurzentschlossen haben wir, Sigune, Regina und Josef, uns dann doch am Tag nach unserem „Sonnenfeld“-Treffen (Sa.17.12.) nochmals von Hamburg aus auf den Weg gemacht, um das Christgeburtsspiel im Saal von Humanopolis mitzuerleben. Da wir früh ankamen, der Saal noch fast leer war, konnten wir in Ruhe die Gestaltung des Bühnenbildes betrachten: Im Vordergrund der linken Bühnenhälfte war der Stall errichtet worden, dessen Dach durch säulenartige, weiße Birkenstämme getragen wurde. Das Kripplein inmitten des Stalles war hoch mit Heu angefüllt und auch der Boden damit dicht bestreut. Marias Hocker stand bereit – nur Ochs‘ und Eselein fehlten – … noch! Es war ein sehr anheimelndes Bild, welches auf das bevorstehende Ereignis wunderbar einstimmte. Der elektrisch beleuchtete Weihnachtsbaum wollte unseres Empfindens nach dazu nicht so recht passen. Allmählich füllte sich der Saal, bis dann noch kurz vor Beginn die Familien mit ihren (kleinen) Kindern die 2 hintersten Reihen besetzten. Um ihnen dort „aussichtsreiche“ Plätze zu verschaffen, war spontan noch tatkräftige Hilfe nötig. Deswegen konnte Dietrich erst mit Verspätung seine Begrüßung aussprechen und eine kurze, aber feine Einführung in die Historie des traditionellen Oberuferer Christgeburtsspieles geben. Als dann, das Eingangslied singend, die „Companei“ einzog, wurde es im Saal mucksmäuschenstill. (Wer konnte und wollte, durfte allerdings die Umgangsgesänge mitsingen, was uns als ehemalige Zuschauer bzw. Mitspieler zum spontanen Mitsingen ermunterte.)
Nach dem Sternsinger begrüßte der Engel die Anwesenden, und die „Companei“ machte danach ihren kleinen Umzug. - Wir können nicht alle folgenden Einzelheiten hier erwähnen, aber einige, die uns besonders in Erinnerung geblieben sind, wollen wir kurz betrachten, da wir diese so in ihrer Deutlichkeit so noch nie gesehen hatten. Zum Beispiel der Auftritt der drei Wirte: In sich steigernder Abweisung traten die ersten beiden Wirte auf! Dieses Gebaren beobachtete jedoch der dritte Wirt (hier war es eine Wirtin). Sie sprach beschwichtigend auf die Abgewiesenen ein und bot ihnen, mit dem Licht der Laterne leuchtend, einen Stall als Unterkunft an. Besonders beeindruckt hat uns die Szene, in welcher der leise schreitende Engel sich Maria von hinten nähert. Maria sieht diesen nicht mit Augen, spürt jedoch, daß die Ankunft des Kindes herbei naht …..…. und Joseph schläft ein.
Alle Mitspieler haben sich nach den ihnen gegebenen Kräften eingesetzt, so dass es für uns ein schönes Erlebnis werden konnte. Und nicht nur das, - es war ihnen auch gelungen, die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. So wurden am Ende, als die „Companei“ das Ausgangslied sang, alle Mitspieler durch einen herzlichen Applaus der Gäste gewürdigt. Wir drei Hamburger konnten nun den Heimweg antreten, das Erlebte noch in uns bewegend, bis alles im Dunkel der Nacht versank.
Soweit – so gut– stimmen wir rückblickend überein mit den Erlebnissen und Empfindungen von dem, was sich am 18.Dezember 2022 im Saal von Humanopolis ereignet hat. Solches Übereinstimmen muß wohl auch der Grund dafür gewesen sein, mit „Ja“ zu antworten, als wir gefragt wurden, ob wir nicht bereit wären, für’s Nachrichtenblättle vom Sonnenfeld etwas zum Christgeburtsspiel zu schreiben. Doch während des Schreibens gingen jedem von uns beiden (Regina und Josef) mehr und mehr verschiedenartige Gedanken und Fragen durch den Sinn, die wir den Lesern nicht verschweigen möchten :
Nun wird sich mir erweisen müssen, ob das kleine, strahlende Licht der Laterne und das, welches von der Geburt des Christ ausgeht, sich in unserer äußeren Welt mit ihren derzeit zunehmenden Wirrnissen und Angriffen auf den MENSCHEN für uns als Stütze unseres Alltagslebens durchtragend sein kann und wird. Gegen das Neue, welches in jedem Menschen unserer Zeit zur Geburt kommen soll, treten ja im Spiel schon die drei Wirte als Widerstandsmächte auf, welche uns im heutigen Alltag in vielfältiger Gestalt allgegenwärtig begegnen. (Regina)
Und mir wurde jetzt erstmals eine Szene - mehr zum Ende des Spieles - zum Stolperstein: (Witok spricht:) „Oni gfoar kann i’s nit verschweigen,…….“ Wie oft habe ich als Spieler schon diese Worte selber sprechen dürfen – doch jetzt erst, dank des Christgeburtsspieles auf Humanopolis – werde ich darauf aufmerksam, was Witok da eigentlich sagt! - - Aber, liebe Leser: was mir erst nach so vielen Jahren aufzudämmern beginnt, will ich Euch/Ihnen ersparen; denn ich müßte Euch/Sie wahrscheinlich mit vielen, vielen Seiten plagen. Dennoch erlaube ich mir – als Anregung – gedacht, zwei Fragen zu stellen: 1. Von welcher Gefahr spricht der Witok da eigentlich, wenn er die Aussage macht: „Oni gfoar kann i’s nit verschweign, ich muaß gehn, es dem herrn anzeign und morgen na Jerusalem gan und glei es dem statthalter zeigen an.“
2. Was hat das alles, was da gespielt wurde, zu tun mit dem, was im neuen Jahr auf uns alle zukommt und noch zukommen wird? (Josef)
Zu guter Letzt: herzlichen Dank dafür, daß das Christgeburtsspiel nach der Zwangspause der letzten zwei Jahre wieder auf Huma aus der Adventszeit zum Weihnachtsfest überleiten konnte. Unser Dank gilt nicht nur den beiden Spielleitern Dietrich und Wolfgang sowie allen Mitspielern, sondern insbesondere den beiden Sonnenfeldern, die den Anstoß zu dem diesjährigen Spiel gegeben haben.